top of page

Frauenliebe und -leben
Liederzyklus von Robert Schumann (1810 - 1856)

1.Seit ich ihn gesehen 

 

Seit ich ihn gesehen,

Glaub' ich blind zu sein;

Wo ich hin nur blicke,

Seh' ich ihn allein;

Wie im wachen Traume

Schwebt sein Bild mir vor,

Taucht aus tiefstem Dunkel,

Heller nur empor.

 

Sonst ist licht- und farblos

Alles um mich her,

Nach der Schwestern Spiele

Nicht begehr' ich mehr,

Möchte lieber weinen,

Still im Kämmerlein;

Seit ich ihn gesehen,

Glaub' ich blind zu sein.

 

2. Er, der Herrlichste von allen 

 

Er, der Herrlichste von allen,

Wie so milde, wie so gut!

Holde Lippen, klares Auge,

Heller Sinn und fester Muth.

 

So wie dort in blauer Tiefe,

Hell und herrlich, jener Stern,

Also er an meinem Himmel,

Hell und herrlich, hehr und fern.

 

Wandle, wandle deine Bahnen;

Nur betrachten deinen Schein,

Nur in Demut ihn betrachten,

Selig nur und traurig sein!

Höre nicht mein stilles Beten,

Deinem Glücke nur geweiht;

Darfst mich niedre Magd nicht kennen,

Hoher Stern der Herrlichkeit!

 

Nur die Würdigste von allen

Darf beglücken deine Wahl,

Und ich will die Hohe segnen,

Viele tausend Mal.

 

Will mich freuen dann und weinen,

Selig, selig bin ich dann,

Sollte mir das Herz auch brechen,

Brich, o Herz, was liegt daran.

 

3. Ich kann's nicht fassen, nicht glauben

 

Ich kann's nicht fassen, nicht glauben,

Es hat ein Traum mich berückt;

Wie hätt' er doch unter allen

Mich Arme erhöht und beglückt?

 

Mir war's, er habe gesprochen:

Ich bin auf ewig dein --

Mir war's -- ich träume noch immer,

Es kann ja nimmer so sein.

 

O laß im Traume mich sterben,

Gewieget an seiner Brust,

Den seligen Tod mich schlürfen

In Tränen unendlicher Lust.

 

4. Du Ring an meinem Finger 

 

Du Ring an meinem Finger,

Mein goldenes Ringelein,

Ich drücke dich fromm an die Lippen,

Dich fromm an das Herze mein.

 

Ich hatt' ihn ausgeträumet,

Der Kindheit friedlich schönen Traum,

Ich fand allein mich, verloren

Im öden, unendlichen Raum.

 

Du Ring an meinem Finger,

Da hast du mich erst belehrt,

Hast meinem Blick erschlossen

Des Lebens unendlichen, tiefen Wert.

 

Ich will ihm dienen, ihm leben,

Ihm angehören ganz,

Hin selber mich geben und finden

Verklärt mich in seinem Glanz.

 

Du Ring an meinem Finger,

Mein goldenes Ringelein,

Ich drücke dich fromm an die Lippen,

An das Herze mein.

 

 

5. Helft mir, ihr Schwestern 

 

Helft mir, ihr Schwestern,

Freundlich mich schmücken,

Dient der Glücklichen heute mir.

Windet geschäftig

Mir um die Stirne

Noch der blühenden Myrte Zier.

 

Als ich befriedigt,

Freudigen Herzens,

Sonst dem Geliebten im Arme lag,

Immer noch rief er,

Sehnsucht im Herzen,

Ungeduldig den heutigen Tag.

 

Helft mir, ihr Schwestern,

Helft mir verscheuchen

Eine törichte Bangigkeit;

Dass ich mit klarem

Aug' ihn empfange,

Ihn, die Quelle der Freudigkeit.

 

Bist, mein Geliebter,

Du mir erschienen,

Gibst du mir, Sonne, deinen Schein?

Laß mich in Andacht,

Laß mich in Demuth,

Laß mich verneigen dem Herren mein.

 

Streuet ihm, Schwestern,

Streuet ihm Blumen,

bringet ihm knospende Rosen dar.

Aber euch, Schwestern,

Grüß' ich mit Wehmut,

Freudig scheidend aus eurer Schaar.

 

6. Süßer Freund, du blickest 

 

Süßer Freund, du blickest

Mich verwundert an,

Kannst es nicht begreifen,

Wie ich weinen kann;

Laß der feuchten Perlen

Ungewohnte Zier

Freudig hell erzittern

In dem Auge mir.

 

Wie so bang mein Busen,

Wie so wonnevoll!

Wüßt' ich nur mit Worten,

Wie ich's sagen soll;

Komm und birg dein Antlitz

Hier an meiner Brust,

Will in's Ohr dir flüstern

Alle meine Lust.

 

Weißt du nun die Thränen,

Die ich weinen kann?

Sollst du nicht sie sehen,

Du geliebter Mann;

Bleib' an meinem Herzen,

Fühle dessen Schlag,

Daß ich fest und fester

Nur dich drücken mag.

 

Hier an meinem Bette

Hat die Wiege Raum,

Wo sie still verberge

Meinen holden Traum;

Kommen wird der Morgen,

Wo der Traum erwacht,

Und daraus dein Bildnis

Mir entgegenlacht.

 

7. An meinem Herzen, an meiner Brust

 

An meinem Herzen, an meiner Brust,

Du meine Wonne, du meine Lust!

 

Das Glück ist die Liebe, die Lieb' ist das Glück,

Ich hab's gesagt und nehm's nicht zurück.

 

Hab' überschwenglich mich geschätzt

Bin überglücklich aber jetzt.

 

Nur die da säugt, nur die da liebt

Das Kind, dem sie die Nahrung gibt;

 

Nur eine Mutter weiß allein,

Was lieben heißt und glücklich sein.

 

O, wie bedaur' ich doch den Mann,

Der Mutterglück nicht fühlen kann!

 

Du lieber, lieber Engel, du,

Du schauest mich an und lächelst dazu!

 

An meinem Herzen, an meiner Brust,

Du meine Wonne, du meine Lust!

 

8. Nun hast du mir den ersten Schmerz getan 

 

Nun hast du mir den ersten Schmerz getan,

Der aber traf.

Du schläfst, du harter, unbarmherz'ger Mann,

Den Todesschlaf.

 

Es blicket die Verlass'ne vor sich hin,

Die Welt ist leer.

Geliebet hab' ich und gelebt, ich bin

Nicht lebend mehr.

 

Ich zieh' mich in mein Inn'res still zurück,

Der Schleier fällt,

Da hab' ich dich und mein verlornes Glück,

Du meine Welt!

bottom of page